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Gefragt: Einheitliche Methode zur Risikobewertung von Stoffgemischen

Toxicity of Chemical Mixtures: Risk, Hazard and Exposure Assessment

Die Risikobewertung von Stoffgemischen in Lebensmitteln ist eine der größten Herausforderungen für Analytik und Verbraucherschutz. Zu diesem Thema trafen sich am 8. und 9. Juni in Köln europäische Experten aus den Bereichen Risikobewertung und Humantoxikologie auf einer internationalen Fachtagung der Akademie Fresenius. 

Auf der Konferenz informierten Vertreter der Europäischen Kommission über den Entwicklungsstand der EU-Leitlinien zur Risikobewertung von Pestiziden in der Nahrung. Außerdem berichteten Experten aus der Industrie und Behörden über neue Entwicklungen zur kumulativen Risikobewertung von Pestiziden, Bioziden und chemischen Gemischen. Auf der Rednerliste standen auch Vertreter aktueller Forschungsinitiativen wie EuroMix (European Test and Risk Assessment Strategies for Mixtures) und dem EU-Projekt EDC-MixRisk, in dem europäische Forscherinnen und Forscher vier Jahre lang zusammenarbeiten, um die Auswirkungen von hormon-aktiven Stoffen besser zu verstehen. Die Bewertung des Gesundheitsrisikos von Stoffgemischen ist eine Herausforderung: In der Regel stehen zwar toxikologische Daten für die Einzelsubstanzen zur Verfügung, aber nicht für daraus kombinierte Gemische. 

EU sucht einheitliche Methodik zur Bewertung kumulativer Effekte

Veerle Vanheusden von der Europäischen Kommission in Brüssel lieferte einen Statusbericht über den aktuellen Stand der Umsetzung der Vereinheitlichung der Bestimmungen für kumulative Risikobewertung von Pflanzenschutzmittelrückständen in der Nahrung. Die EU-Verordnung 396/2005 über Rückstandshöchstgehalte (MRLs) in Futtermitteln und Nahrung sieht vor, dass bei Entscheidungen über Rückstandshöchstgehalte für die bekannten kumulativen  Effekte von Pestiziden dann berücksichtigt werden sollen, wenn Methoden zur Bewertung solcher Effekte verfügbar sind. Darüber hinaus besagt die Verordnung 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln, dass auch bei Entscheidungen über die Genehmigung von Wirkstoffen mit bekannten kumulativen Effekten diese berücksichtigt werden müssen sobald Testmethoden vorhanden sind. Seit einigen Jahren arbeitet die Kommission mit den Mitgliedstaaten, der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA und unabhängigen Wissenschaftlern an einer einheitlichen Methodik, die diese kumulativen Auswirkungen berücksichtigt. 

Die EFSA hat mehrere Stellungnahmen zu Methoden der kumulativen Risikoberechnung veröffentlicht, die die Verwendung einer probabilistischen Berechnung in der abschließenden Bewertung empfehlen. Diese Berechnungen werden an Gruppen von Pestiziden durchgeführt, für die sich Effekte summieren könnten: sogenannte kumulative Bewertungsgruppen (cumulative assessment groups = CAGs). Die Methodik basiert auf der Annahme, dass Pestizide, die dieselben toxischen Wirkungen in Geweben, Organen und physiologischen Systemen verursachen, eine gemeinsame, kumulative Toxizität hervorrufen können - auch wenn sie keine ähnlichen Wirkungsweisen haben. Die EFSA hat bereits CAGs für Stoffe mit neurotoxischen und Schilddrüseneffekten etabliert und arbeitet derzeit an CAGs für andere Organe, Gewebe und Systeme.

Akropolis: Software zur Berechnung der kumulativen Exposition

Ein europäisches Forschungsprogramm unter der Führung des Nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit und Umwelt für die Niederlande (RIVM) hat ein webbasiertes Online-Tool (Akropolis) zur Berechnung der kumulativen Exposition von Pestizidrückständen im Einklang mit den Anforderungen des entsprechenden EFSA-Leitfadens erarbeitet. Zurzeit wird geprüft, ob es sich auch für die Durchführung von Expositionsbewertungen von mehreren Pestizidrückständen eignet. Wenn die ersten Beurteilungen erfolgreich sind, hofft die EFSA, nach und nach die Prüfung der kumulativen Risikobewertung auch in ihren Verbraucher-Expositions-Bewertungen anzuwenden, die für den EFSA-Jahresbericht über Pestizidrückstände in Lebensmitteln durchgeführt werden. 

Gewünscht: Methoden für komplexe Szenarien

Susanne Hougaard Bennekou von der dänischen Umweltschutzagentur EPA (Environmental Protection Agency EPA) bewertete die EU-Politik zur Evaluierung von Stoffgemischen aus Sicht der Mitgliedsstaaten. Sie stellte fest, dass die kumulativen Risikobewertungen bisher nur in einfachen Situationen erfolge. Notwendig sei aber eine Methode für komplexe Szenarien mit sequentieller Exposition – auch für nicht-diätetische Exposition. Um Co-Formulanten bewerten zu können, werden Daten zur Gefahr bei wiederholter Verabreichung und Exposition benötigt. Dazu könnten einige Methoden der kumulativen Risikobewertung für Lebensmittel angepasst werden.

Aktueller Stand des Euro-Mix-Projektes

Jacob van Klaveren vom niederländischen Institut für öffentliche Gesundheit und Umweltschutz (RIVM) berichtete über den aktuellen Stand des europäisch finanzierten EuroMix-Projektes (European Test and Risk Assessment Strategies for Mixtures). Auf der Basis von existierenden und neu zu generierenden Testsystemen entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Ländern der Europäischen Union eine Strategie zur Testung der Toxizität von Stoffgemischen mit Akkumulationspotential. Die Ergebnisse dieser toxikologischen Untersuchungen fließen in neue computergestützte Modelle für die Berechnung des Risikos ein, das bei kombinierter Exposition all dieser Chemikalien entsteht. Die Modelle berücksichtigen auch unterschiedliche Expositionsszenarien, wie zum Beispiel regionale Unterschiede der Konsummuster. Mögliche Verfeinerungen der Risikobewertung sieht Van Klaveren in neuen Entwicklungen wie der Erstellung expositionsgeleiteter Teststrategien oder der Berücksichtigung kinetischer Informationen in Risikomodellen. Er zeigte an Beispielen, wie man mit Hilfe der Festlegung von Testprioritäten für alle Chemikalienklassifizierungen unterschiedlich regulierte Chemikalien in einer Bewertung zusammenfassen könne. Das Euromix-Projekt will auch ein frei zugängliches webbasiertes Tool für die Risikobewertung von kombinierter Exposition verschiedener Chemikalien zur Verfügung stellen. 

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