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Lebensmittelsicherheit: Verbesserte Standards bei der Kontrolle von Rückständen


Experten diskutierten über Entwicklungen bei der Registrierung von Pestiziden und Rückstandshöchstgehalten auf der internationalen Fresenius Konferenz in Mainz


Die Globalisierung der Lebensmittelproduktion und des Handels erhöht die Angst ernsthafter Erkrankungen durch kontaminierte Lebensmittel. Entsprechend dem zweiten Jahresbericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat der Anteil an Getreide, Obst und Gemüse mit mehreren Rückständen zugenommen: von 15 Prozent im Jahr 1997 bis 27 Prozent in 2008. Auf der 9. internationalen Fresenius-Konferenz "Food Safety and Dietary Risk Management" vom 22. bis 23. Februar 2011 in Mainz diskutierten Experten aus Europa und Australien aktuelle wissenschaftliche und politische Entwicklungen.

Der Wandel von einer traditionellen und saisonalen Ernährung hin zu einem vielfältigeren Nahrungsangebot erhöht die Nachfrage nach Obst und Gemüse in punkto Auswahl und Menge. Derzeit ist der Exportanteil mit 14 Prozent relativ gering. Allerdings erwartet der Handel, dass im Jahr 2017 nahezu 40 Prozent aller angebauten Obst- und Gemüsesorten exportiert werden, sagte Caroline Willetts (Syngenta, Jealott‘s Hill International Research Centre in Großbritannien).


Effizienz in der Lebensmittelproduktion – wachsender Bedarf an internationalen Standards

Aus Effizienzgründen werden die meisten kommerziellen Getreidearten als Monokulturen angebaut. Ein Nachteil dabei ist die Anfälligkeit des Getreides für Schadpflanzen, Schädlinge und Krankheiten, verbunden mit einem geringeren Ertrag und einer schlechteren Qualität. "Verluste auf dem Feld variieren je nach Getreidetyp, Ort und Wetter. Und nach der Ernte ist Getreide immer noch anfällig für Insekten und Krankheiten", erklärte Willetts. Eine Strategie, um Obst und Gemüse während des Anbaus und der Lagerung zu schützen, ist die Verwendung von Pestiziden. Ein wichtiger Faktor, der bei der Registrierung eines Pflanzenschutzmittels berücksichtigt werden sollte, ist die Festlegung von Rückstandshöchstgehalten (Maximum Residue Levels, MRLs). Der Rückstandshöchstgehalt wird in Milligramm pro Kilogramm Ernteertrag angegeben und für jedes Pestizid im jeweiligen Produkt einzeln festgelegt.

Vereinheitlichte MRLs ermöglichen den internationalen Handel mit Feldfrüchten. "Die Notwendigkeit globale Standards und Leitlinien zu entwickeln, die sowohl die Gesundheit der Verbraucher, als auch verantwortungsvolles Handeln im Lebensmittelhandel garantieren, ist seit langem anerkannt", sagte Willetts. So werden seit 1963 internationale MRLs im Lebensmittelkodex (Codex Alimentarius) definiert. Allerdings werden viele MRLs noch immer auf nationaler Ebene festgelegt und können zwischen verschiedenen Ländern erheblich variieren. Das Monitoring von Rückständen erlaube es Ländern und Regionen, illegale Rückstandsmengen zu identifizieren und aus der Lieferkette zu entfernen, berichtete Willetts.


Effiziente Bestimmung von Rückständen – Was der Gesetzgeber im Vorfeld tun kann

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln hinterlässt oft unterschiedliche "Spuren" in Lebensmitteln. Ob ein Pestizid legal eingesetzt wurde und nicht zu überhöhten Rückständen geführt hat, lässt sich deshalb nicht in allen Fällen am einfachsten über die Bestimmung des vom Landwirt eingesetzten Pestizidwirkstoffs nachweisen. Wenn zum Erntezeitpunkt der Zerfall eines Pestizids schon zu einer Vielzahl von Abbauprodukten geführt hat, steht theoretisch eine Vielzahl von Optionen zum Nachweis von Rückständen zur Verfügung. Bei besonders komplexen, nicht immer einheitlichen Zerfallsreaktionen war der Gesetzgeber in der Vergangenheit bemüht, die analytische Bestimmung möglichst vieler dieser Abbauprodukte vorzuschreiben. Der verständliche Hintergedanke war, den Verbraucher in jedem erdenklichen Fall zu schützen.

Dass dieser Ansatz am Ende aber zu einem geringeren Schutz des Verbrauchers führen kann, wurde in einem Vortrag von Lutz Alder vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung aufgezeigt. Er demonstrierte an Bespielen die Abhängigkeit einer effektiven Überwachung von Lebensmitteln vom gesetzlich vorgeschriebenen Analysenumfang. So gibt es komplex zerfallende Pestizide, deren vorgeschriebener Bestimmungsweg zu einem Aufwand führt, der den sonst üblichen Aufwand um das hundertfache überschreitet. Werden solche Pestizide trotzdem von den zuständigen Laboratorien überwacht, kann gleichzeitig eine viel geringere Zahl anderer (einfacher nachweisbarer) Pestizide überwacht werden. Der Vortrag von Lutz Alder gab eine vollständige Übersicht, welche der heute EU-weit einheitlich geregelten Pestizide einen hohen analytischen Aufwand verlangen und welche Wege zukünftig im Interesse einer effizienteren Lebensmittelüberwachung gegangen werden können.



Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,- EUR zzgl. MwSt. bei der Akademie Fresenius bezogen werden. Bei Interesse klicken Sie bitte hier.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:


Die Akademie Fresenius GmbH
Monika Stratmann

Alter Hellweg 46
44379 Dortmund

Telefon  +49 231 75896-48
Telefax  +49 231 75896-53
E-Mail  mstratmann@akademie-fresenius.de
Internet  www.akademie-fresenius.de


Titel Foodsafety

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